Wartezeit Medizinstudium

Warten auf das Medizstudium

Das Medizinstudium gehört zu den beliebtesten Studiengängen überhaupt. Da die Nachfrage nach den wenigen Studienplätze sehr hoch ist, bleibt die Wartezeit für Viele die letzte Hoffnung. Wir erläutern hier, wie die Wartezeit berechnet wird, welchen Schnitt Du für welche Uni benötigst und wie Du die Wartezeit am besten nutzen kannst! Außerdem gehen wir auf die möglichen Kriterien der Talentquote ein.

Die Wartezeitquote - Geduld zahlt sich aus

Einen Studienplatz für Humanmedizin erhält man in der Regel über eine der 3 großen Vergabequoten:
  1. Abiturbestenquote 20%
  2. Wartezeitquote 20%
  3. Auswahlverfahren der Hochschulen 60%
Da das Medizinstudium zu den am meisten begehrten Studiengängen überhaupt gehört, besteht eine sehr hohe Nachfrage nach Studienplätzen. Da die Zulassungsgrenzen jedes Semester nach Angebot und Nachfrage gebildet werden, kann es ab einem Abiturdurchschnitt von ca. 2,3 sehr schwer sein, einen Studienplatz zu erhalten. Daher bleibt die Wartezeitquote ab dieser Note derzeit die letzte Hoffnung.

Wir möchten Dir hier zeigen, wie die Wartezeit berechnet wird, wie die Zulassungsgrenzen für die Wartezeit derzeit aussieht und wie sich diese Grenzen in den letzten Jahren entwickelt haben. Darüber hinaus haben wir sinnvolle Methoden aufgelistet, wie Du Deine Wartezeit am besten nutzen kannst! Da die Wartezeitquote zukünftig durch die sogenannte Talentquote ersetzt werden soll, findest Du Weiter unten auf dieser Seite weitere Infos zur kommenden Talentquote.

Wartezeitquote - Was ist das eigentlich genau?

Über die Wartezeitquote werden 20% der Studienplätze jeder Uni vergeben. Hier erhalten die Bewerber mit der höchsten Wartezeit ihre Studienplätze. Dabei wird eine Rangliste der am längsten wartenden Bewerber anhand der Durchschnittsnote erstellt. Vergibt eine Universität für das Medizinstudium insgesamt 100 Studienplätze, so werden 20% dieser Plätze über die Wartezeit vergeben. Von den Bewerbern mit der längsten Wartezeit würden also die 20 besten hier eine Zulassung erhalten. Zusätzlich können Bewerber mit Sozialkriterien gegenüber anderen bervorzugt werden. Diese Sozialkriterien findest Du weiter unten aufgeschlüsselt.

So wird die Wartezeit berechnet

Die Wartezeit wird gemessen als Zeit zwischen Abitur und aktueller Bewerbung in Halbjahren. Die Zeit, an der man in einem anderen Studiengang eingeschrieben war, wird nicht mitgerechnet. Die Zeit, an der Du etwas anderes studiert hast, wird Dir also von Deiner Wartezeit wieder abgezogen! Da diese Zeit nicht mitgerechnet wird, ist es hier strategisch daher nicht sinnvoll, etwas anderes zu studieren, um die Wartezeit zu überbrücken! Wenn Du Dir aber nicht sicher bist, ob Du so lange auf ein Medizinstudium warten möchtest, solltest Du die Gelegenheiten anderer Studiengänge nutzen, die sich Dir bieten!
Zur Veranschaulichung haben wir hier ein paar Beispiele zur Berechnung der Wartezeit erstellt:

Beispiele zur Wartezeit - So wird sie berechnet:

Petra hat 2014 ihr Abitur und anschließend eine Ausbildung zur Krankenschwester (3 Jahre) gemacht. Sie arbeitet ein weiteres Jahr und bewirbt sich für das Wintersemester 2018/19 mit einer Wartezeit von insgesamt 4 Jahren (= 8 Semestern) .

Paul hatte nach seinem Abitur 2010 sechs Semester BWL studiert und danach gearbeitet. Er bewirbt sich für Medizin zum Wintersemester 18/19 mit einer Wartezeit von 10 Semestern (16-6 = 10).

Albert begann nach seinem Abitur 2011 mit einer Ausbildung zum Physiotherapeuten. Anschließend hat er bis zu seiner Bewerbung zum Wintersemester 18/19 in einem Krankenhaus gearbeitet. Er bewirbt sich also mit einer Wartezeit von 7 Jahren (14 Semestern).

Christine machte ihr Abitur ebenfalls 2011. Sie reiste anschließend ein Jahr lang um die Welt und begann eine Ausbildung zur Medizinisch Technischen Assistentin an einer Universitätsklinik. Dort lernte sie ihren jetzigen Ehemann kennen, mit dem sie mittlerweile einen kleinen Sohn hat. Christine bewirbt sich ebenfalls zum Wintersemester 18/19 mit 14 Wartesemestern, kann aber das Soziakriterium 2 geltend machen, da sie mit ihrer Familie in der Universitätsnähe wohnt.

Zulassungsgrenzen in der Wartezeitquote

Der Glaube, dass man pro gewartetem Semester einen Bonus von 0,1 auf seine Abinote bekommt, ist leider falsch. Bewerber mit gleicher Wartezeit werden nach ihrer Abiturnuote sortiert. Hast Du einen Dienst (Zivildienst, Wehrdienst oder FSJ) geleistet oder erfüllst Du eines der folgenden Sozialkriterien, wirst Du gegenüber anderen Bewerbern mit gleicher Wartezeit bevorzugt. Zum Wintersemester 2018/19 betrug die Wartezeit bei einer Durchschnittsnote von 2,3 insegsamt 14 Semester. Allerdings konnten mit Sozialkriterien an einigen Universitäten auch Bewerber mit höheren Notendurcschnitten einen Studienplatz erhalten:

Das bedeuten die Sozialkriterien:
  1. "Bewerber ist schwerbehindert
  2. Wohnung mit Ehegatten/Kind und Studium an nächstgelegen Ort
  3. Besondere Bindung an den Studienort aus gesundheitlichen, familiären, wirtschaftlichen, studienorganisatorischen oder im öffentlichen Interesse liegenden Gründen (Sonderantrag)
  4. Bewerber, für die die sozialen Kriterien 1 bis 3 nicht zutreffen"
Quelle: hochschulstart.de

Zulassungsgrenzen Wartezeit WiSe18/19

Zulassungsgrenzen Wartezeit ausklappen

Wartezeitquote 2018/19

Dies sind die Zulassungsgrenzen für die Wartezeitquote. Stand Wintersemester 2018/19.
UniWartezeit in SemesternDurchschnittsnoteSozialkriteriumOrtspräferenz
Generell 14 2,3
Aachen143,041
Berlin-Charité141,933
Bochum143,142
Bonn142,442
Bonn-Siegen142,743
Dresden142,042
Duisburg-Essen142,641
Düsseldorf143,142
Erlangen-Nürnberg142,241
Frankfurt143,34
Freiburg143,241
Gießen143,741
Göttingen143,441
Greifswald142,845
Halle-Wittenberg142,84
Hamburg142,431
Hannover142,231
Heidelberg142,042
Heidelberg/Mannheim143,743
Jena142,74
Kiel142,242
Köln142,931
Leipzig142,841
Lübeck142,141
Magdeburg142,044
Mainz143,141
Marburg143,24
München142,14
Münster142,131
Oldenburg142,631
Regensburg142,74
Rostock143,443
Saarland U Campus Homburg143,54
Tübingen142,041
Ulm142,544
Würzburg142,441

Wartezeitquote im Zeitverlauf

Auch die Zulassungsgrenzen der Wartezeitquote ändern sich für jedes Semester je nach Angebot und Nachfrage der verfügbaren Studienplätze. Den Zeitverlauf zu den Wintersemestern haben wir hier graphisch dargestellt. "DN" steht hier für die Durchschnittsnote des Bewebers, der als letztes eine Zulassung erhalten hat. Die Wartezeit des Bewerbers ist in Semestern (Halbjahren) angegeben. Die Zulassungsgrenzen der einzelnen Universitäten können unter Anderem mit Sozialkriterien etwas anders aussehen.

So nutzt Du die Wartezeit effektiv

Derzeit muss man also 14 Semester (7 Jahre) warten, um über die Wartezeitquote eine Zulassung zu erhalten. Das ist eine ganz schön lange Zeit. Wie nutzt man diese Zeit am besten? Nun, wir können Dir hier ein paar Tipps an die Hand geben, die wir für sinnvoll halten. Einen exakten Plan gibt es aber nicht. Am Ende musst Du für Dich entscheiden, ob Du 7 Jahre auf das Medizinstudium warten möchtest und was Du in dieser Zeit machen möchtest.
Hier ein paar Tipps, wie Du Deine Wartezeit sinnvoll nutzen kannst:

Medizinische Berufsausbildung

Definitiv kann eine Ausbildung nicht schaden. Am besten ist natürlich eine Ausbildung im Gesundheitswesen, da Du hier schon Erfahrungen sammeln kannst, die Dir später als Arzt immens weiterhelfen können! Um ein guter Arzt zu sein, reicht Lehrbuchwissen nun mal nicht aus und da bist Du mit Berufserfahrung und geübten Patientenumgang sehr gut dabei! Zusätzlich fängst Du an, Dein eigenes Geld zu verdienen und auf eigenen Beinen zu stehen. Endlich kannst Du Dein Leben so gestalten wie Du es möchtest. Das Geld, das Du verdienst, kannst Du für das Medizinstudium ansparen, da man in den Klausurphasen häufig nicht besonders viel Zeit zum Arbeiten übrig hast.
Besonders vorteilhaft an einer medizinischen Berufsausbildung ist auch, dass Du bei einer Bewerbung für das Medizinstudium einen Bonus auf Deinen Notenschnitt erhälst! Dieser kann teilweise sehr großzügig ausfallen und so Deine Chancen im Auswahlverfahren der Hochschulen verbessern! Wie genau die einzelnen Universitäten die Berufsausbildungen honorieren, findest Du hier.

Test für Medizinische Studiengänge

Beim Test für Medizinische Studiengänge (kurz TMS) werden typische naturwissenschaftliche Probleme anhand von Bildern und Grafiken geprüft. Ein gutes TMS-Ergebnis kann Dir einen wahnsinnig hohen Bonus auf Deinen Schnitt geben! Häufig werden die Möglichkeiten des TMS unterschätzt. An der Universität Heidelberg kann man mit einem herausragendem TMS-Ergebnis sogar noch mit der Durchschnittsnote 2,3 einen Studienplatz erhalten, da dieser dort sehr stark gewichtet wird! Am besten bewertest Du hier einfach mal kostenlos Deine Chancen auf ein Medizinstudium! Da Du nur ein Mal am TMS teilnehmen kannst, solltest Du Dich darauf umfassend vorbereiten. Wenn Du Dich für den TMS interessierst, findest Du hier weitere Informationen:

Lesen - Mit Guten Büchern zum Erfolg

Lesen ist im Leben einfach unfassbar wichtig. Das richtige Sachbuch kann Deine Perspektive erweitern und Dich zu neuen Denkwegen anregen. Man kann von den Erfahrungen erfolgreicher Menschen und Experten profitieren und ein über den Tellerrand hinaus schauen. Dadurch kannst Du viele Probleme viel schneller und besser lösen als andere. Mit jeder Seite, mit jedem Wort, das Du liest, wird im Gehirn eine neue Verbindung geknüpft, die Dich klüger und kognitiv flexibler macht. Vom Lesen der richtigen Bücher kannst Du nur profitieren!
Die meisten Bücher sind leicht zu lesen und auch bei Weitem nicht so trocken wie Lehrbücher, die man aus der Schule kennt, oder so langweilig und quälend wie die Buddenbrooks.
Leider haben wir das erst nach Beginn des Medizinstudiums herausgefunden und nicht mehr so viel Zeit und kognitive Kapazität zum Lesen, wie wir gerne hätten. Durch die ganzen Fachbücher hat man irgendwann einfach keine Lust mehr zu Lesen und kann sich nicht mehr konzentrieren. Hätten wir das vor dem Studium gewusst, hätten wir die Zeit viel besser nutzen können!

Talentquote - Wie sieht die Zukunft aus?

Im Verlauf des Jahres 2019 soll das Zulassungsverfahren für Studienplätze in der Humanmedizin erneuert werden. Diese neue, sogenannte "Talentquote" soll die Wartezeitquote ersetzen. Das heißt also, dass über diese dann ebenfalls 20% der Studienplätze vergeben werden sollen. Wie genau das Ganze aussehen soll und welche Kriterien dann berücksichtigt werden, steht noch nicht fest. Derzeit kann man lediglich spekulieren.Sinnvoll wäre unserer Meinung nach die Auswahl nach Berufserfahrung und der Umgang mit Schauspielpatienten. Diese Tests sollten nach zentral festgelegten Checklisten bewertet werden, damit jeder Bewerber überall die gleichen Chancen hat. Ob die Verantwortlichen das so umsetzen, steht noch offen.
Durch die neue Quote könnten zwar andere Bewerber einen Zugang zum Medizinstudium erhalten, leichter wird die Zulassung dadurch aber nicht! Die Zulassungsgrenzen sind derzeit so anspruchsvoll, da die Nachfrage nach den verhältnismäßig wenigen Sutdienplätzen sehr hoch ist. Die Kriterien könnten also bei gleicher Nachfrage nur effektiv gelockert werden, wenn mehr Studienplätze geschaffen würden. Zum Wintersemester 2018/19 haben sich insgesamt 43.631 Beweber auf 9.232 verfügbare Studienplätze beworben. Auf einen Studienplatz bewerben sich also ca. 5 Bewerber!
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