Studienplatzvergabe für das Medizinstudium

Medizinstudium - Das Vergabeverfahren verstehen

Wenn Du Dich für ein Medizinstudium interessierst, solltest Du Dich kurz damit beschäftigen, wie die Studienplätze vergeben werden. Hierüber kursieren viele Mythen, die einen falschen Eindruck vermitteln. Das Studienplatzvergabeverfahren ist teilweise nicht ganz unkompliziert, wir haben hier aber alle relevanten Fakten einfach und verständlich für Dich zusammengefasst. Wenn Du ein verstanden hast, wie die Bewerbung funktioniert, kannst Du Deine Chancen signifikant verbessern!


Wer kann sich für das Medizinstudium bewerben?

Bevor wir uns mit den einzelnen Quoten zur Studienplatzvergabe beschäftigen, müssen wir uns zuerst einmal fragen, wer sich eigentlich bei hochschulstart.de bewerben darf. Prinzipiell brauchst Du dafür eine sogenannte "Hochschulzugangsberechtigung" (HZB). Das ist eigentlich nichts anderes als Dein Abiturzeugnis o.Ä. Gleiches gilt für ausländische Bewerber aus der EU. Solltest Du deine HZB in einem Nicht-EU-Land erworben haben, informiere Dich ausführlich bei hochschulstart.de. Über dieses Portal findet auch zentral die Bewerbung statt. Du brauchst Dich also nicht bei jeder Uni einzlen zu bewerben.

Die Quoten - So werden die Studienplätze vergeben!

Kommen wir nun zum Eingemachten. Wie werden die vielen Bewerber auf die ca. 9.000 zu vergebenden Plätze für das Medizinstudium aufgeteilt? Nun hierfür wurden vier zeitlich nacheinander ablaufende Quoten eingeführt:

  1. Vorabquote
  2. Abiturbestenquote 20%
  3. Wartezeitquote 20%
  4. Auswahlverfahren der Hochschulen 60%

Die Vorabquote

Die Vorabquote gilt für besondere Bewerbergruppen. Jede Hochschule stellt hier eine gewisse Anzahl an Studienplätzen bereit z.B. für spezielle ausländische Bewerber, Härtefälle, Sanitätsoffiziere der Bundeswehr und weiteren. Nachdem die Vorabquote abgezogen wurde, geht es nun weiter mit der

Abiturbestenquote - auch Numerus Clausus (NC)

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass man nur mit einem Schnitt von 1,0 oder besser Medizin studieren kann. Das liegt daran, dass die Abiturbestennquote auch als Numerus Clausus (NC) bezeichnet wird! Allerdings werden nur 20% der Studienplätze an die Bewerber mit den besten Abiturnoten vergeben! Daher hört man oft Aussagen wie: "Der NC für das Medizinstudium beträgt 1,0." Tatsächlich erhalten die meisten angehenden Ärzte ihren Studienplatz über das Auswahlverfahren der Hochschulen, in dem viele weitere Kriterien berücksichtigt werden! So ist es auch möglich, mit Schnitten bis zu 2,3 zum Medizinstudium zugelassen zu werden! - Doch dazu später mehr!

Über diese Quote werden also 20% der verfügbaren Studienplätze vergeben. Hierfür wird eine Rangliste aller Bewerber anhand ihrer Abiturnote gebildet. In einer Notengruppe (z.B. alle mit 1,0) werden die Bewerber nach ihrer Wartezeit sortiert. Da Bildung bei uns in Deutschland Ländersache ist, haben wir 16 verschiedene Bildungssysteme. Damit alle eine gleiche Chance auf einen Studienplatz haben, wird für jedes Bundesland eine einzelne Quote gebildet; man konkurriert also nur mit Bewerbern aus dem eigenen Bundesland. In dieser Quote werden also nur die Bewerber mit den besten Abiturabschlüssen zugelassen! Dabei wird der sogenannte NC jedes Mal aufs Neue durch Angebot und Nachfrage nach den Studienülätzen gebildet. Es handelt sich also nicht um einen willkürlich festgelegte Grenze.
Anschließend werden die Abiturbesten dann auf die 6 von ihnen angegebenen Universitäten aufgeteilt.
Ganz wichtig hierbei: Bei jedem der drei Hauptverfahren kannst Du 6 Unis (Ortspräferenzen) in absteigender Reihenfolge angeben. Gibst Du mehr als eine Uni an, wird bei der Vergabe erst geprüft, ob Du bei Deiner ersten Wahl einen Platz bekommst, ist dies nicht der Fall, dann bei Deiner zweiten und so weiter. Hast Du jetzt eine Lieblingsuni, z.B. weil Du sie besonders gut findest, Du in der Nähe wohnst, oder Deine Eltern dort studiert haben und Du möchtest Deine Chancen maximieren, an dieser Uni angenommen zu werden, solltest Du überlegen in diesem Verfahren nur diese Uni anzugeben. Wirst Du nun nämlich hier an Deiner dritten Wahl angenommen, bist Du aus dem Verfahren raus und hast nicht mehr die Möglichkeit im Auswahlverfahren der Hochschulen an deiner Lieblingsuni genommen zu werden.

Wartezeitquote

Nachdem 20% der Studienplätze an die Abiturbesten verteilt wurden, werdenweitere 20% der Studienplätze an die Bewerber mit der längsten Wartezeit vergeben. Die Wartezeit wird gemessen als Zeit zwischen Abitur und aktueller Bewerbung in Halbjahren. Hier musst Du beachten, dass Dir die Zeit, an der Du in einem anderen Studiengang eingeschrieben warst, von Deiner Wartezeit wieder abgezogen wird! Es ist also strategisch für diese Quote also nicht sinnvoll ein anderes Studium zu machen, um die Wartezeit zu überbrücken, da diese Zeit nicht mitgerechnet wird! Auch für dieses Verfahren kannst Du wieder 6 Unis angeben. Zum Wintersemester 2018/19 betrug die Wartezeit bei einer Durchschnittsnote von 2,3 insegsamt 14 Semester. Genaue Zahlen zu den Zulassungsgrenzen in der Wartezeitquote und viele weitere spannende Fakten zur Wartezeit und der Talentquote findest Du hier.

Beispiele zur Wartezeit - So wird sie berechnet:

Petra hat 2014 ihr Abitur und anschließend eine Ausbildung zur Krankenschwester (3 Jahre) gemacht. Sie arbeitet ein weiteres Jahr und bewirbt sich für das Wintersemester 2018/19 mit einer Wartezeit von insgesamt 4 Jahren (= 8 Semestern) .

Paul hatte nach seinem Abitur 2010 sechs Semester BWL studiert und danach gearbeitet. Er bewirbt sich für Medizin zum Wintersemester 18/19 mit einer Wartezeit von 10 Semestern (16-6 = 10).

Auswahlverfahren der Hochschulen

Über das Auswahlverfahren der Hochschulen (kurz AdH) werden die meisten Studienplätze (60%) vergeben. Hier können die einzelnen Universitäten selbst entscheiden, welche Kriterien sie für die Auswahl verwenden - Eine vollständige Übersicht zum Auswahlverfahren der Hochschulen und aktuelle NC-Übersicht findest Du hier. Dazu können etwa gehören:

  • Abiturnote
  • Testergebnisse (Medizinertests wie TMS oder Ham-Nat)
  • Einzelne Abinoten (z.B. naturwissenschaftliche Leistungskurse etc.)
  • Berufsausbildungen (z.B. Krankenpfleger, Rettungsassistent)
  • Auswahlgespräche
  • Abgeleistete Dienste
  • Teilnahme an Wettbewerben (z.B. Jugend forscht)
Hier kannst Du jetzt kostenlos und leicht Deine Chancen für das Medizinstudium bewerten.
Das Verfahren läuft über zwei Runden. In der ersten Runde erhält man nur eine Zusage, wenn man an seiner zuerst genannten Universität angenommen wurde. In der zweiten Runde werden die restlichen Studienplätze vergeben.
Top