Neues Zulassungsverfahren für das Medizinstudium ab 2020

Neue Kriterien wurden festgelegt

Die Studienplätze für das Medizinstudium sollen ab 2020 in einem neuen Verfahren vergeben werden. Die Kultusministerkonferenz hat am 06.12.2018 einen Entwurf für einen Staatsvertrag veröffentlicht. Was ändert sich? Was bleibt? Was passiert mit der Wartezeit? Wie wird meine Wartezeit berechnet? Wir haben uns den offiziellen Entwurf durchgelesen und beantworten die wichtigen Fragen. Außerdem stellen wir als Medizinstudenten unsere Einschätzungen und Prognosen für das neue Verfahren vor.

Aktuelles Studienplatzvergabeverfahren für das Medizinstudium

Aktuell werden die Studienplätze für das Medizinstudium in 3 Quoten vergeben. Über jede Quote wird ein Anteil der zu vergebenden Plätze je nach Universität vergeben. Gehen wir einfach mal davon aus, dass eine Uni 100 Studienplätze zu vergeben hätte.
Es gibt folgende Quoten:

  1. Abiturbestenquote (Numerus Clausus) - 20%
  2. Wartezeitquote - 20%
  3. Auswalverfahren der Hochschulen - 60%
Innerhalb der einzelnen Quoten werden Rangllisten der Bewerber erstellt. In der Abiturbestenquote werden also die 20 Bewerber mit den besten Abiturnoten ausgewählt und erhalten einen Studienplatz. In der Wartezeitquote erhalten die 20 Bewerber einen Platz, die bereits am längsten warten.
Im Auswahlverfahren der Hochschulen können die Universitäten sich eigene Kriterien für die Vergabe der Plätze für das Medizinstudium aussuchen. Einige berücksichtigen den TMS (Medizinertest), eine medizinische Berufsausbildung, führen Auswahlgespräche, oder eigene Aufnahmetests durch. Andere Unis gehen einfach weiter die Bewerber nach Abiturnoten runter, bis alle Plätze belegt sind.
An unserer Beispiel-Uni würden also insgesamt 60 Plätze über das Auswahlverfahren der Hochschulen vergeben werden.
Zusätzlich gibt es noch eine Vorabquote, über die Studienplätze vor dem eigentlichen Verfahren an besondere Bewerbergruppen vergeben werden. Dazu zählen zum Beispiel Sanitäter der Bundeswehr oder Härtefälle.

Neue Studieplatzvergabe - Das ändert sich:

Auf der Kultusministerkonferenz wurde die Gewichtung der Abiturbestenquote auf 30% erhöht. Zusätzlich sollen über eine neue, sogenannte Eignungsquote 10% der Plätze vergeben werden. Die Wartezeitquote fällt weg, allerdings wird es Übergangsregelungen geben, die wir weiter unten besprechen. Das Auswahlverfahren der Hochschulen bleibt mit 60% bestehen.
Das sind die neuen Quoten:
  1. Abiturbestenquote (Numerus Clausus) - 30%
  2. Eignungsquote - 10%
  3. Auswalverfahren der Hochschulen - 60%

Abiturbestenquote - Numerus Clausus

Über die Abiturbestenquote wurden bisher 20% der Studienplätze an die besten Bewerber vergeben. Ab 2020 soll diese Quote nun auf 30% aufgestockt werden. Wie bisher konkurriert man auch nur mit Bewerbern, die im gleichen Bundesland ihr Abitur gemacht haben, da sich die Bildungssysteme zwischen den Bundesländern unterscheiden.

Eignungsquote - Das passiert mit Deiner Wartezeit

Ab dem Sommersemester 2020 sollen 10% der Studienplätze über die Eignungsquote vergeben werden. Welche neuen Kriterien bei der Vergabe der Medizinstudienplätze verwendet werden, steht noch nicht fest. Fest steht allerdings, dass die bisherige Wartezeit der Beweber in dieser Quote berücksichtigt werden.

Wartezeit in der Eignungsquote

Neue Gewichtung Wartezeit ausklappen
Wer 15 Wartesemester gesammelt hat, dessen Wartezeit wird mit 45% neben den neuen Kriterien berücksichtigt. Bei Wartezeiten von unter 15 Semestern, fällt die Gewichtung dieser linear ab: So wird die Wartezeit in der neuen Eignungsquote gewichtet.
Wartezeit in Semestern (Halbjahren)Gewichtung
15 und mehr45%
1442%
1339%
1236%
1133%
1030%
927%
824%
721%
618%
515%
412%
39%
26%
13%
00%


Auswahlverfahren der Hochschulen - AdH

Wie bisher sollen über das AdH 60% der Studienplätze für das Medizinstudium vergeben werden. Allerdings wurde festgelegt, dass neben der Abiturnote mindestens 2 weitere Kriterien berücksichtigt werden müssen. Diese sollen unabhängig von der Abiturnote und in hoher Gewichtung sein. Eines dieser beiden Kriterien wird zentral vorgegeben werden und an allen Universitäten gleichermaßen gelten. Dabei wird es sich wohl um einen "studienfachspezifischen Eignungstest" handeln. Ob das jetzt der TMS oder der HAM-Nat sein soll, ist noch unklar. Denkbar wäre unserer Meinung nach auch ein Test in Anlehnung an den österreichischen MedAT.
Für die Handlungsfreiheit können die Universitäten in einer sogenannten "Unterquote" bis zu 15% ihrer Plätze nach eigenen Kriterien vergeben.

Unsere Einschätzungen zum neuen Verfahren

Das Vergabeverfahren für das Medizinstudium hatte eine Reform dringend notwendig. Aktuell wird ein sehr großer Fokus auf die Abiturnote gelegt. Klar, irgendwo muss man selektieren, immerhin ist die Nachfrage nach den raren Studienplätzen immens. Doch ist der Abiturient mit 1,0 später der bessere Arzt als die Krankenschwester mit 5 Jahren Berufserfahrung und Abiturnote 2,5?
Schon im Medizinstudium zeigt sich: Wer den besten Abischnitt hatte, ist nicht zwangsläufig der bessere Medizinstudent!
Vorab: Hierbei handelt es sich lediglich um unsere Meinung. Wir unterstellen niemandem bösartige Absichten.

Die Anzahl der Studienplätze

Im Entwurf zum Staatsvertrag steht nichts bezüglich einer Erhöhung der Studienplatzanzahl für das Medizinstudium. Um einem bundesweiten Ärztemangel entgegenzuwirken, wäre eine Erhöhung die einzig logische Konsequenz gewesen. Wir brauchen mehr Ärzte! Dass die Studienplätze jetzt anders verteilt werden, ist zwar zu begrüßen, aber auch ein besonders guter Arzt kann nicht alleine 100 Patienten gleichzeitig versorgen. Daher sind wir etwas enttäuscht darüber, dass nichts zur Erhöhung der Anzahl der Studienplätze festgelegt wurde. Schauen wir uns die einzelnen Quoten mal genau an:

Abiturbestenquote - Erhöhung sinnvoll?

Über Sinn und Unsinn dieser Quote kann man lange diskutieren. Dass jemand, der aber schon während der Schulzeit sehr zielstrebig und diszipliniert war, bei der Auswahl des Studienplatzes belohnt werden sollte, steht außer Frage. Immerhin muss es ja noch einen Anreiz dafür geben, gute Noten zu schreiben und den Schulstoff anständig zu Lernen. Ein Streben nach Leistung sollte immer belohnt werden. Daher halten wir die Abiturbestenquote für legitim und sollte beibehalten werden!
Dass hier allerdings von 20% auf 30% aufgestockt wurde, lässt uns Grübeln. War das wirklich notwendig? Ist es nicht das Ziel der Reform, dass mehr Plätze ohne Berücksichtigung der Abiturnote vergeben werden? Wirkt das nicht dem Ziel entgegen?

Für besonders gute Bewerber ändert sich kaum etwas

Bei der Abiturbestenquote wird derzeit eine Rangliste der Bewerber erstellt. Je nachdem, wie viele Plätze über diese Quote vergeben werden, wird eine bestimmte Anzahl der besten Bewerber zugelassen. Geht die Universität im Auswahlverfahren der Hochschulen diese Rangliste weiter runter, können auch Bewerber mit NC von 1,2 oder 1,3 zugelassen werden.
Wenn ein Bewerber mit 1,1 ürsprünglich über das AdH seinen Platz bekommen hätte, jetzt aber über die aufgestockte Abiturbestenquote (NC) ausgewählt wird, dann ändert sich für ihn erst Mal nichts. Allerdings würde sich dann die Bezeichnung ändern: Die Abiturbestenquote ist gleichzusetzen mit dem Numerus Clausus (NC). In diesem Fall, würde also der NC von 1,0 auf 1,1 gehoben werden!

Eignungsquote - Was wird kommen?

Eigentlich haben wir mehr erwartet. 10% ist doch ein bisschen mau, finden wir. Welche Kriterien dabei jetzt berücksichtigt werden, steht noch offen. Hoffentlich sind es gut bedachte Kriterien. Immerhin soll es ja leichter und nicht schwieriger werden, einen Studienplatz für Medizin zu erhalten. Ansonsten gefällt es uns, dass komplett notenunabhängige Kriterien eingeführt werden sollen. Wie gesagt, wer gute Noten in der Schule hatte, muss nicht zwangsläufig ein guter Arzt werden.

Auswahlverfahren der Hochschulen - Endlich mehr als nur Abiturnote

Uns gefällt, dass auch hier neue Kriterien eingeführt werden sollen. Dass diese Kriterien größtenteils bundesweit gleich gelten sollen, ist auch von Vorteil, da die Bewerber an jeder Universität nun ungefähr die gleichen Chancen auf ein Medizinstudium haben werden. Durch die Unterquoten haben die Unis zum Glück noch Autonomie behalten und können wenigstens einen gewissen Prozentsatz ihrer Studienplätze nach komplett eigenen Kriterien vergeben.
Die aktuellen Auswahlgrenzen für das Medizinstudium haben wir hier für Dich zusammengestellt.
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