Ablauf und Dauer des Medizinstudiums

Mythos Medizinstudium - Wie läuft das Studium ab?

Wenn Du mit dem Gedanken spielst, Medizin zu studieren, dann ist es sinnvoll sich den Ablauf und die Dauer des Medizinstudiums ein Mal anzuschauen. Die Antworten zu all den Fragen rund um das Medizinstudium haben wir hier für Dich parat. Natürlich alles aus erster Hand von erfahrenen Medizinstudenten für angehende Mediziner! In der Übersicht "Medizinstudium kompakt" sind die wichtigsten Infos auf einen Blick zusammengefasst!

Medizinstudium kompakt:

  • Dauer: 6 Jahre (12 Semester)
  • Abschnitte: Vorklinik (4 Semester), Klinik (6 Semester), Praktisches Jahr (2 Semester)
  • Berufsperspektiven: Arzt, Forschung, Pharmaindustrie, Versicherungen
  • Zentrale Fächer: Anatomie, Biochemie, Physiologie, Innere Medizin, Chirurgie
  • Zeitaufwand pro Woche: 35-60 Stunden
  • Prüfungen: 2 Staatsexamina jeweils schriftlich und mündlich
  • Praktika: 90 Tage Krankenpflegepraktikum, 120 Tage Famulatur, Praktisches Jahr (PJ)

Medizinstudium im Überblick

Das Medizinstudium dauert insgesamt 6 Jahre (12 Semester). Es ist unterteilt in die Abschnitte Vorklinik (4 Semester), Klinik (6 Semester) und das Praktische Jahr (2 Semester). Nach jedem Abschnitt legt man eine Staatsexamensprüfung ab, in der die Inhalte und Themen der letzten Semester abgefragt werden. Dabei lernt man im Medizinstudium alle Fachbereiche kennen. Nach dem Studium entscheidet man sich dann, auf welche Fachrichtung man sich spezialisieren möchte.
Nach dem erfolgreichen Abschluss der letzten Prüfung kann man die Approbation beantragen und sich für die Facharztausbildung bewerben. Diese dauert im Schnitt 5 Jahre. In dieser Zeit ist man Assistenzarzt und verdient schon ganz gutes Geld! Die Facharztweiterbildung schließt man mit einer mündlichen Prüfung ab.

Die Vorklinik - Die ersten vier Semester

Der erste Abschnitt im Ablauf des Medizinstudiums ist die Vorklinik. Sie beinhaltet die Semester eins bis vier - also 2 Jahre. In der Vorklinik lernst Du erst mal den gesamten menschlichen Körper von Kopf bis Fuß kennen. Hier liegt der Fokus vor Allem auf den naturwissenschaftlichen Grundlagen der Humanbiologie.

Ganz grob kann man die vorklinischen Fächer in große und kleine Fächer unterteilen. Sie unterscheiden sich dadurch wie lange die einzelnen Fächer behandelt werden. So hat man häufig 4 Semester Anatomie, 3 Semester Biochemie, aber nur ein Semester Physik und Chemie. In der Regel gibt es zu jedem Fach Vorlesungen, die man besuchen kann (nicht muss), Praktika und Seminare. An den Praktika und Seminaren muss man körperlich (und geistig) anwesend sein, damit man für die Klausur zugelassen wird. Die Klausuren bestehen in der Regel ausschließlich aus Multiple-Choice-Aufgaben. Nur wer am Ende der Vorklinik alle Klausuren bestanden und alle Bescheinigungen eingesammelt hat, darf am ersten Staatsexamen (Physikum) teilnehmen!

(Wie anspruchsvoll die einzelnen Fächer sind, erfährst Du im nächsten Kapitel)

Zu den großen Fächern gehören:

Anatomie

Wie ist der Mensch aufgebaut? Aus welchen Knochen setzt sich das Becken zusammen? Welche Muskeln bilden die Bauchwand und welche physiologischen Schwachstellen hat sie? Welches Gefäße versorgen die Sehrinde des Großhirns? Mit diesen und vielen weiteren spannenden Fragen beschäftigt sich die Anatomie. Die ganze Theorie sieht man zusätzlich auch in natura an Körperspendern im Präparationskurs.

Histologie (Teil der Anatomie)

In der Gewebelehre bzw. mikroskopischen Anatomie befasst man sich mit dem Aufbau einzelner Organe und Gewebsverbände unter dem Mikroskop.

Physiologie

Wie schaffen es Nervenzellen Signale weiterzuleiten? Welche Arten von Kontraktionen kann ein Skelettmuskeln durchführen? Wie wird die Magensäure produziert und warum ist der Magen so wichtig damit wir Vitamin B12 aufnehmen können? Solche Fragen stellt man sich in der Physiologie. Hier lernst Du einfach gesagt die Funktionsweise des Körpers und der einzelnen Organsysteme kennen!

Biochemie

Wie wird welcher Zucker verstoffwechselt? Wieso können Skelettmuskeln zwar Kohlenhydratspeicher auf- und abbauen, aber im Gegensatz zur Leber diese Speicher nicht dem gesamten Organismus zur Verfügung stellen? Wie werden Neurotransmitter hergestellt und wie kann eine Abfolge von unzähligen Basenpaaren in der DNA in ein Protein übersetzt werden? Sehr spannendes und detailliertes Fach!

Medizinsiche Psychologie und Soziologie

Gehört ebenfalls zu den großen Fächern und hier wird im Physikum auch ein großer Schwerpunkt gesetzt, da der Mensch eben kein Kompendium an Organsystemen und Laborwerten darstellt und die psychologische Komponente in einer Therapie für deren Erfolg ebenfalls wichtig ist!

Zu den kleinen Fächern zählen:

Biologie

Prinzipiell nicht großartig anders als in der Oberstufe. Ökologie wird hier aber in der Regel (zum Glück) nicht behandelt. Besonders relevant sind hier der Aufbau einzelner Zellen und deren Organellen, sowie Grundlagen in der Vererbungslehre.

Physik

Da die physikalischen Gesetze nun mal auch für jeden Menschen gelten, werden hier ebenfalls Grundkenntnisse vermittelt. Aber keine Sorge: Relativitätstheorie und Higgs-Bosonen gehören nicht zum Fragenkatalog!!!

Chemie

Auch hier wird vor Allem ein Grundlagenwissen vermittelt, um sich später in der Biochemie zurecht zu finden.

Terminologie

Häufig wird man gefragt, ob man unbedingt ein Latinum fürs Medizinstudium braucht. Die Antwort ist ein ganz klares NEIN! In diesem Fach werden einfache medizinische Bezeichnungen gelehrt, anhand derer man Gefäße, Nerven und Muskeln voneinander unterscheidet. Das ist später in der Anatomie echt hilfreich, wenn man z.B. den Nervus gluteus superior vom Nervus gluteus inferior unterscheiden soll. Leider kommt man ums Lernen einzelner Vokabeln nicht drum herum, aber das Fach ist weitaus einfacher als Texte von Ovid und Cäsar zu übersetzen!

Krankenpflegepraktikum

Für die Zulassung zum Physikum muss man ebenfalls 90 Tage Krankenpflegepraktikum, eine Erste Hilfe Ausbildung und ein benotetes Wahlfach nachweisen. Die Praktika darf man nur in der vorlesungsfreien Zeit (Semesterferien) oder zwischen Abitur und Studienbeginn machen. Besonders ratsam ist es also, zumindest einen Teil des Pflegepraktikums vor dem Medizinstudium zu absolvieren, damit man sich in den Ferien auch tatsächlich erholen kann. Im Pflegepraktikum unterstützt man die Krankenpfleger/innen in ihrem Stationsalltag. Ziel ist es, die angehenden Ärzten an den Umgang mit Patienten heranzuführen, den organisatorischen Ablauf im Krankenhaus und die Perspektive der Krankenpflege kennen zu lernen. Zu den Aufgaben gehören also Patienten waschen, Essen anreichen und Vitalwerte (z.B. Blutzucker oder Blutdruck) messen. Das Praktikum kann in verschiedene Abschnitte unterteilt werden. Jeder Abschnitt muss aber mindestens 30 Kalendertage lang sein. Die ausgefüllten Bescheinigungen reicht man dann bei der Anmeldung zum Physikum mit ein.
Weitere Infos und Tipps zum Krankenpflegepraktikum haben wir auf dieser Seite für Dich zusammengetragen.

Das Physikum

Man könnte es als die erste große Hürde beschreiben. Das erste Staatsexamen ist sicherlich kein Zuckerschlecken, aber definitiv machbar! Wenn man konsequent die ersten 4 Semester gelernt hat, sollte das Bestehen des Physikums sicherlich gelingen. Hier werden die Inhalte der gesamten Vorklinik zentralisiert abgefragt. Wer das Physikum besteht, darf sich (inoffiziell) candidatus medicinae (cand. med.) nennen und am klinischen Unterricht teilnehmen.

Das Physikum besteht aus zwei schriftlichen Multiple Choice Klausuren, die an zwei aufeinander folgenden Tagen abgelegt werden müssen. Anschließend (einige Zeit später) folgt eine Mündliche Prüfung in den Fächern Anatomie, Biochemie und Physiologie.

Die Klinik - Semester fünf bis zehn

Hat man das Physikum bestanden, geht es nun ans Eingemachte. Der zweite Abschnitt im Ablauf des Medizinstudiums ist die Klinik. Hier lernt man auf Basis der Vorklinik viele Krankheiten und deren Behandlungsmöglichkeiten kennen. Ähnlich wie in der Vorklinik wird Dir hier das theoretische Wissen in Vorlesungen vermittelt. Dieses Wissen gilt es dann an Untersuchungskursen und Blockpraktika im Universitätsklinikum an echten Patienten zu vertiefen! Hier wirst Du bei Patienten eigenständig eine Anamnese erheben, sie abhören und durchklopfen. Anschließend arbeitest Du dann mit den lehrenden Ärzten die Fallgeschichte heraus! In den Blockpraktika verstärkst Du zusätzlich das Stationsteam bei Blutentnahmen oder Untersuchungen.

Die zentralen Fächer in der Klinik sind die Innere Medizin und die Chirurgie.

Innere Medizin

Anhand der in Vorklinik gelernten Physiologie und Biocheme lernst Du in der Inneren unzählige verschiedene Krankheiten und deren Therapien kennen! Hier lernst Du zum Beispiel, wie man einen akuten Herzinfarkt behandelt oder überlegst Dir, warum sich bei einem Patienten ein Lungenödem entwickeln konnte! Ein sehr spannendes Fach - es wird nie langweilig!

Chirurgie

Hier kommt die Anatomie ins Spiel. Wie unterscheide ich eine Appendizitis (Entzündung des Wurmfortsatzes) von einer Peritonitis (Entzündung des Bauchfells)? Wie kann ich den Appendix möglichst schonend entfernen? - Ein Fach mit viel Action und Fingerfertigkeit!

Weitere klinische Fächer

Da es in der Klinik eine Vielzahl an anderen verschiedenen Fächern gibt und deren Namen eigentlich selbsterklärend sind, haben wir hier nur eine unvollständige und exemplarische Übersicht erstellt:

  • Klinische Chemie und Laboratiumsdiagnostik
  • Mikrobiologie, Virologie und Hygiene
  • Pharmakologie und Toxikologie
  • Pathologie
  • Geschichte und Ethik der Medizin
  • Rechtsmedizin
  • Neurologie
  • Innere Medizin
  • Chirurgie
  • Psychiatrie und Psychotherapie
  • Augenheilkunde
  • Pädiatrie
  • Dermatologie
  • Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
  • Gesundheitsökonomie
  • Anästhesie und Notfallmedizin
  • Urologie
  • Gynäkologie
  • Arbeitsmedizin
  • Radiologie
  • und viele weitere

Eine vollständige Liste der klinischen Fächer kann der Approbationsordnung für Ärzte entnommen werden.

Famulatur

In den Semesterferien hat man leider nicht allzu viel Zeit zum Chillen und Party machen, da auch hier insgesamt 120 Tage Famulatur (Praktika im Krankenhaus und Hausarztpraxis) absolviert werden müssen. Hier unterstützt du Ärzte in Krankenhäusern, Praxen und Ambulanzen im Arbeitsalltag. Zu den Aufgaben zählen unter Anderem Blutentnahmen, das Legen von venösen Zugängen und Assistenz bei Operationen und Untersuchungen. Dabei lernt man eine ganze Menge an praktischem Wissen und kann die verschiedenen Fachrichtungen ausprobieren!

Das Hammerexamen

Das zweite Staatsexamen findet nach dem 10. Semester statt und wird gerne "Hammerexamen" gennant. Seinen Namen erhielt es durch die Menge an Stoff, die man zum Bestehen lernen muss. Wie auch im Physikum wird hier das Erlernte der letzten 3 Jahre anhand von Multiple Choice Fragen abgefragt. Hier dauert das ganze drei Tage. Eine Mündliche Abschlussprüfung erfolgt nach dem Praktischen Jahr.

Das Praktische Jahr (PJ)

Der dritte Abschnitt im Ablauf des Medizinstudiums ist das Praktische Jahr (kurz PJ). Es umfasst das elfte und zwölfte Semester. Das PJ setzt sich aus 3 Tertialen zusammen. Es muss jeweils ein Tertial in der Inneren Medizin und der Chirurgie absolviert werden. Hier arbeitet man Vollzeit im Krankenhaus und wird auch voll in den Krankenhausalltag mit eingebunden und assistiert bei Operationen oder nimmt Patienten auf. Das dritte Fach im PJ kann man sich selbst aussuchen.

Nach dem PJ bleibt nun noch etwas Zeit, um sich auf die letzte Prüfung im Medizinstudium vorzubereiten. Hier werden mündlich die Fächer Innere Medizin, Chirurgie, sein Wahlfach im PJ und ein zusätzlich gelostes Fach geprüft.

Besteht man diese Prüfung, kann man seine Approbation beantragen und als Arzt in Weiterbildung in seinem Traumberuf arbeiten!

Facharztausbildung - Jetzt geht es richtig los!

Mit der Approbation in der Tasche kann man sich dann eine der 33 Facharztausbildungen aussuchen. Hier bewirbt man sich dann auf eine Stelle als Assistenzarzt. Die meisten Facharztweiterbildungen dauern ca. 5 Jahre. In dieser Zeit muss man einen bestimmten Katalog an verschiedenen Aufgaben, Untersuchungen und Eingriffen erfüllt werden. Hat man den Katalog voll, meldet man sich für die mündliche Facharztprüfung an. Anschließend kann man sich dann noch weiter spezialisieren (z.B. Innere Medizin: Kardiologie oder Gastroenterologie).
Ein Facharzt kann sich jetzt entscheiden, ob er eine Karriere in der Klinik in Angriff nimmt, oder sich in einer eigenen Praxis niederlässt. Erst als Facharzt darf man sich als kassenärztlicher Vertragsarzt in eigener Praxis selbstständig machen!

Modellstudiengang - Was ist das denn?

Einige Unis haben den klassischen Regelstudiengang abgewandelt und einen neuen Ablauf erarbeitet. Das Ziel bei solchen Modellstudiengängen ist häufig die frühe Verknüpfung von Theorie mit Praxis.

Hier werden Vorklinik und Klinik nicht ganz so strikt voneinander getrennt wie beim Regelstudiengang. Ein Modellstudiengang kann von Vorteil sein, wenn zum Beispiel ein neu erlernter Stoffwechselweg anhand einer damit verbundenen Krankheit und einer Fallgeschichte erlernt wird. Allerdings kann es bei relativ neuen Modellstudiengängen auch zu organisatorischen Problemen kommen, da die Lehre sich noch nicht an das neue System gewöhnt hat. Am besten schaust Du auf den Seiten der Universitäten vorbei, die einen Modellstudiengang anbieten und entscheidest selbst, ob dieser Ablauf zu Dir passt! Die passenden Seiten haben wir unten verlinkt!

Beim Modellstudiengang werden eventuell auch andere Staatsexamensprüfungen abgelegt. Das hat zur Folge, dass es sehr schwierig wird, Deinen Studienort in höheren Semestern zu einem anderen Studiengang zu wechseln, da Dir Klausuren und Kurse bei einem Wechsel zum Regelstudiengang nicht angerechnet werden können und Du diese (wenn nicht das ganze Studium) dann wiederholen musst.
Zwischen Regelstudiengängen (und Reformstudiengang) ist ein Wechsel der Uni weniger kompliziert.

Folgende Unis bieten einen Modellstudiengang an:
Aachen
Berlin-Charité
Düsseldorf
Hamburg
Hannover
Heidelberg/Mannheim
Köln
Oldenburg
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