Krankenpflegepraktikum im Medizinstudium

Krankenpflegepraktikum ist Pflicht

Das Krankenpflegepraktikum muss jeder Medizinstudent in Deutschland machen. Um für das erste Staatsexamen (Physikum) zugelassen zu werden, muss man 90 Kalendertage Pflegepraktikum nachweisen können. Dabei gibt es einige Dinge, die Du beachten und wissen solltest. Außerdem haben wir, auf der Basis unserer Erfahrungen, ein paar hilfreiche Tipps zusammengetragen. Diese sollen Dir helfen, nicht von einem Fettnäpfchen in das nächste zu treten und Dein Pflegepraktikum zum Erfolg zu machen!

Warum angehende Ärzte das Pflegepraktikum machen müssen

Das Pflegepraktikum hat den Zweck, junge Mediziner früh in Kontakt mit dem Krankenhausalltag zu bringen. Dabei soll so schon früh der Umgang mit Patienten geübt werden. Darüber hinaus kann man dabei die organisatorischen Rahmenstrukturen im Krankenhaus kennenlernen.
Natürlich kannst Du aus dem Pflegepraktikum viele Fertigkeiten für das Studium und das spätere Arbeitsleben mitnehmen. Dazu gehören unter anderem:

  • Umgang mit Patienten, Empathie zeigen
  • Professionelles Arbeiten im Team
  • Eigenständiges Arbeiten
  • Fachwissen aus dem jeweiligen Fachgebiet
  • Praktische Fertigkeiten wie zum Beispiel Blutdruck, Puls und Blutzucker messen
  • Krankenhaushygiene
  • Und Vieles mehr!

Wenn Du das Krankenpflegepraktikum vor dem Medizinstudium machst, kannst Du dabei auch feststellen, ob das Medizinstudium wirklich zu Dir passt! Außerdem kannst Du das Praktikum bei einem Auswahlgespräch erwähnen, um Deine Motivation für das Medizinstudium zu untermauern. Dabei wird es gerne gesehen, wenn man schon früh praktische Erfahrungen im Gesundheitssystem gesammelt hat!

Krankenpflegepraktikum - Ab wann darfst Du es machen und wie lange dauert es?

Du kannst das Pflegepraktikum erst machen, wenn Du Dein Abiturzeugnis in der Hand hältst. Das heißt also, dass Schülerpraktika und die Zeit zwischen letzter Abiklausur und Erhalt des Abiturzeugnisses nicht angerechnet werden können!
Wenn Du das Krankenpflegepraktikum während des Studiums machst, darfst Du das nur in der vorlesungsfreien Zeit (also den Semesterferien) machen. Da man in den Semesterferien eigentlich lieber etwas anderes unternehmen möchte (z.B. Reisen, bezahlt Arbeiten, Freunde treffen, Ausschlafen), lohnt es sich definitiv das Pflegepraktikum, zumindest zum Teil, vor dem Medizinstudium zu machen.

Insgesamt musst du 90 Kalendertage Krankenpflegepraktikum nachweisen. Diese 90 Tage kannst du unterschiedlich aufteilen, allerdings darf ein Abschnitt nicht kürzer als 30 Kalendertage sein. Daraus ergeben sich folgende Kombinationen:

  • 3x30 Tage
  • 2x45 Tage
  • 1x60 und 1x30 Tage
  • 1x30-60 Tage und 1x30-60 Tage (z.B. 1x40 und 1x50 Tage etc.)

Wo kannst Du das Krankenpflegepraktikum machen?

Das Pflegepraktikum darfst Du nur auf einer Bettenstation in einem Krankenhaus absolvieren! Das heißt also, dass Du bei der nächst gelegenen Klinik zum Beispiel auf die Innere Medizin, die Allgemeinchirugie, oder auch auf die Dermatologie gehen kannst. Wichtig ist dabei, dass kranke Patienten am Bett gepflegt werden.

Hier wird Dir das Krankenpflegepraktikum NICHT anerkannt:

Ganz wichtig: Das Pflegepraktikum wird Dir nur angerechnet, wenn Du für die Grundpflege auf einer Bettenstation in einem Krankenhaus eingeteilt bist! Es gibt nämlich viele Einrichtungen, an denen dir das Krankenpflegepraktikum nicht angerechnet werden kann!

Hier wird Dir das Krankenpflegepraktikum NICHT anerkannt:

  • Arztpraxen
  • Altenpflegeheime /Behindertenpflegeheime
  • Notaufnahmen, Ambulanzen, Anästhesie
  • „Schönheitskliniken“
  • Ambulanter Pflegedienst
  • Rehabilitationszentren
  • Dialysezentren
  • Psychiatrische Einrichtungen
Informiere dich daher beim zuständigen Landesprüfungsamt bevor du dich auf eine Stelle bewirbst, ob Dir das Praktikum auch angerechnet wird!

Wann Du das Pflegepraktikum nicht mehr machen brauchst

Wenn Du vor dem Medizinstudium bereits ein Freiwilliges soziales Jahr, oder sogar eine Berufsausbildung gemacht hast, brauchst Du das Pflegepraktikum nicht mehr zu machen!
Der Paragraph 6 der Approbationsordnung für Ärzte definiert hier folgende Anrechnungsmöglichkeiten:

  1. "eine krankenpflegerische Tätigkeit im Sanitätsdienst der Bundeswehr oder in vergleichbaren Einrichtungen,
  2. eine krankenpflegerische Tätigkeit im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres nach den Vorschriften des Gesetzes zur Förderung eines freiwilligen sozialen Jahres oder nach den Vorschriften des Jugendfreiwilligendienstegesetzes,
  3. eine krankenpflegerische Tätigkeit im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes nach den Vorschriften des Bundesfreiwilligendienstgesetzes,
  4. eine krankenpflegerische Tätigkeit im Rahmen eines Zivildienstes nach den Vorschriften des Zivildienstgesetzes,
  5. eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung als Hebamme oder Entbindungspfleger, als Rettungsassistentin oder Rettungsassistent, als Notfallsanitäterin oder Notfallsanitäter, in der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege oder Altenpflege sowie eine erfolgreich abgeschlossene landesrechtlich geregelte Ausbildung von mindestens einjähriger Dauer in der Krankenpflegehilfe oder Altenpflegehilfe. "

Krankenpflegepraktikum im Ausland

Das Pflegepraktikum kann ebenfalls im Ausland absolviert werden. In diesem Fall müssen die gleichen Kriterien wie bei einem Praktikum in Deutschland erfüllt sein! Damit es bei der Anrechnung des Praktikums keine Probleme gibt, empfehlen wir Dir, Dich vorher beim Landesprüfungsamt zu melden und alle wichtigen Infos zu erfragen. Das zuständige Landesprüfungsamt für eine Uni ist in der Regel das des Bundeslandes, in dem die Universitätsstadt liegt.

Darum solltest Du so früh wie möglich anfangen!

Wer das Pflegepraktikum nicht schon vor dem Medizinstudium gemacht hat, der muss es in den Semesterferien nachholen. Da man in den Semesterferien eigentlich lieber andere Dinge machen möchte (z.B. Reisen, bezahlt Arbeiten, Freunde treffen, Ausschlafen), solltest Du am besten schon vor dem Studium zumindest einen Teil des Praktikums machen!
Die Klausurphasen können manchmal echt anstrengend und kräfteraubend sein. Da möchte man sich in seiner freien Zeit eigentlich lieber erholen. Wir haben diejenigen, die in den Semesterferien auch wirklich Ferien hatten, echt beneidet!

Krankenpflegepraktikum Checkliste und Tipps

Damit Du beim Pflegepraktikum nicht von einem Fettnäpfchen ins nächste trittst und damit Du auch einen Mehrwert vom Praktikum hast, haben wir folgende Checkliste mit Tipps für Dich zusammengestellt.

Vor dem Pflegepraktikum:

  • Informiere Dich über die Krankenhäuser in Deiner Nähe. Welche Abteilungen gibt es und welches Fachgebiet spricht Dich besonders an?
  • Gibt es Erfahrungsberichte zu Pflegepraktika im jeweiligen Haus?
  • Frage gegebenenfalls beim Landesprüfungsamt nach, ob Dir ein Krankenpflegepraktikum dort anerkannt werden würde.
  • Bewirb Dich frühzeitig. Manche Krankenhäuser haben eine unheimlich aufwändige Bürokratie, wohingegen man bei manchen freitags anruft und am nächsten Montag direkt loslegen kann. Da man das vorher nie genau wissen kann, solltest Du Dich frühzeitig bewerben!
  • Frage nach, wann Du beim Beginn des Praktikums wo genau erscheinen sollst!
  • Am besten fährst Du auch schon ein Mal zum Krankenhaus hin, damit Du den Weg gut kennst und nicht zu spät kommst!
  • Hole Dir am besten wasserdichte und geschlossene Schuhe! Es ist nicht wirklich angenehm, wenn Dir Körperflüssigkeiten und Ausscheidungen auf die Füße laufen.

Während des Pflegepraktikums

  • Stelle Dich bei jedem Kollegen auf Deiner Station mit vollem Namen und Funktion vor! Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance! Manche nehmen einem es echt übel, wenn man sich nicht vorstellt!
  • Sag offen, wenn Du etwas noch nicht kannst! Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Frag nach, ob jemand Dir das kurz erklären und zeigen kann, damit Du dem Pflegepersonal effektiv Arbeit abnehmen kannst!
  • Mach Dich mit den Räumen vertraut. Wo liegen die Nierenschalen und wo die Bettlaken? Wenn Du Dich auf der Station zurechtfindest, kannst Du schneller arbeiten und musst nicht immer nachfragen.
  • Du musst nicht alles machen, was man Dir aufträgt! Es gibt einige unangenehme Aufgaben, die gerne delegiert werden (im Klinikjargon nennt man das „turfen“). Um viele Aufgaben kommt man nicht drum herum, aber tatsächlich gibt es einige Dinge, die Du im Pflegepraktikum noch gar nicht machen darfst! Andererseits solltest Du auch nicht nur faul herum sitzen!
Da am Ende das zuständige Landesprüfungsamt entscheidet, was angerechnet werden kann und was nicht, solltest Du Dich im Zweifelsfall immer auch an dieses wenden!

Bescheinigungen:

Die Vordrucke für die Bescheinigungen findest du auf den Internetseiten des jeweiligen Prüfungsamtes! Ganz wichtig bei der Bescheinigung ist es, dass sie nicht vor Ende des Praktikums ausgestellt werden darf!
Wenn Du Dein Pflegepraktikum zum Beispiel am 20.03. offiziell beendest, darf die Bescheinigung nicht schon am 18.03. unterschrieben werden! Das heißt natürlich, dass das Datum der Unterschrift nicht früher als der 20.03. in diesem Fall sein darf!
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